„Ich geniesse das Hier und Jetzt“

beatrice_egliSie hat eine steile Karriere hingelegt – wie kaum ein anderer Schweizer Star. Und wusste manchmal nicht, wo ihr der Kopf stand. Doch gerade in turbulenten Zeiten hat Schlagersängerin Beatrice Egli eine wichtige Lektion gelernt.

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Beatrice Egli, seit drei Jahren führen Sie ein Leben auf der Überholspur. Was ist das Wichtigste, was Sie in dieser Zeit gelernt haben?

Im Augenblick zu leben, das Hier und Jetzt zu geniessen.

Weshalb mussten Sie das lernen?

Nach meinem Sieg bei «Deutschland sucht den Superstar» im Jahr 2013 überschlugen sich die Ereignisse. Jeder kannte mich und erwartete etwas von mir. Oft hatte ich an einem Tag Termine in vier Städten. Ich erlebte mehr, als ich verdauen konnte.

Vier Alben innert drei Jahren, Tourneen im In- und Ausland, unzählige Fernsehshows und Medientermine – das klingt nach Stress pur.

Zumindest hatte ich zeitweise das Gefühl, meine Seele komme nicht mehr mit.

In Ihrem Song «Kick im Augenblick» singen Sie: «Manchmal dreht sich die Welt zu schnell.» Wie gelingt es Ihnen, die Welt anzuhalten, die Gegenwart zu geniessen?

Indem ich versuche, jeden Moment bewusst zu erleben, und nicht daran denke, dass ich morgen schon wieder im Flieger nach Berlin oder Barcelona sitze. Mein Ziel ist es zudem, einmal pro Woche nach Hause nach Pfäffikon zu kommen. Manchmal schaffe ich es jedoch nur jede zweite Woche.

Reicht Ihnen das?

Es ist zu wenig, doch geniesse ich die Zeit daheim deshalb umso mehr. Zu Hause ist alles beim Alten geblieben – das schätze ich. Früher sah ich es als normal an, mit der ganzen Familie am Tisch zu sitzen. Heute verstehe ich meinen Grossvater, der in solchen Situationen immer Freudentränen in den Augen hat.

Sorgt Ihre Familie dafür, dass Sie trotz Ihres Erfolgs nicht abheben?

Das muss sie nicht. Bis heute erwarten meine Brüder Kari, Lukas und Marcel, dass ich ihre Wäsche mitwasche, wenn ich daheim bin. Ich könnte es mir nicht erlauben, mit Starallüren nach Hause zu kommen.

Auch kulinarisch sind Sie bodenständig geblieben. Sie wünschten sich fürs Feuerstellengespräch Bratwürste und Cervelats vom Grill.

Ich mochte die einfachen Dinge schon immer gern. Ausserdem erinnern mich Grillwürste an meine Kindheit. Gingen wir auf Schulreise, gab mir meine Mutter Ida immer eine Bratwurst und einen Cervelat mit. War das Wetter zu schlecht, um Feuer zu machen, konnte ich den Cervelat roh essen.

Ihre Sommerferien verbrachten Sie oft auf dem Bauernhof Ihrer Gotte Margrith Bischof. Mussten Sie mitanpacken?

Natürlich. Wenn die anderen am Heuen waren, konnte ich nicht einfach faul auf der Wiese liegen. Weil mein Bruder Marcel besser Traktor fahren konnte, musste ich nachrechen. Das ist zwar anstrengender, aber ich tue es bis heute gerne.

Könnten Sie sich ein Leben auf dem Bauernhof vorstellen?

Nein, mir würde die Bühne fehlen. Ich brauche die Kontraste, um die Balance in meinem Leben zu halten. Es ist ähnlich wie mit der Bratwurst: Obwohl ich sie liebe, freue ich mich auch auf ein Rindsfilet.

Erwarten viele Menschen, dass Sie als Schlagerstar nur noch Kaviar essen und Champagner trinken?

Ich glaube nicht. Ausserdem ist Kaviar überhaupt nicht mein Ding, und ich trinke keinen Alkohol.

Warum nicht?

Weil ich ihn nicht vertrage. Ich hatte noch nie einen Rausch und werde diese Erfahrung auch weiterhin auslassen. Trinke ich einen Schluck, werde ich müde und schlafe schlimmstenfalls auf der Stelle ein.

Bekommen Sie denn genug Schlaf?

Manchmal sind es nur wenige Stunden pro Nacht. Müdigkeit ist ein Zustand, an den ich mich in den letzten Jahren gewöhnt habe. Ich musste auch lernen, mich auf Reisen daheim zu fühlen. Es gelingt mir immer besser – auch wenn ich jeden Tag in einem anderen Hotelzimmer aufwache und in der Nacht schon mal in die falsche Richtung auf die Toilette stolpere.

Strengt es Sie an, trotz Stress und Müdigkeit stets fröhlich und freundlich zu sein?

Manchmal klingelt mein Wecker morgens um vier – nach zwei Stunden Schlaf. Ich würde ihn am liebsten aus dem Fenster schmeissen. Doch dann frage ich mich: Soll ich mich nerven, oder versuche ich, das Beste aus dem Tag zu machen?

Wie entscheiden Sie?

Mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen.

Das klingt nach einer Binsenwahrheit.

Für mich stimmt es aber. Meine Familie und ich sind gesund. Ich habe momentan keinen Grund, traurig oder hässig zu sein, bloss weil ich mal etwas müde bin. Aber mir ist bewusst, dass auch auf mich irgendwann schwierige Zeiten zukommen und es mir nicht immer so gut gehen wird wie jetzt.

Was befürchten Sie?

Nichts. Aber ich weiss, dass das Leben Hochs und Tiefs bereithält.

Zeigen Sie es öffentlich, wenn Sie schlechte Laune haben?

Auf der Bühne nicht. Dort vergesse ich sowieso alles um mich herum. Meine Musik macht mich glücklich und gibt mir Kraft.

Und abseits der Bühne?

Da gibt es hin und wieder Situationen, in denen ich sauer werde. Etwa, wenn ich mein Gepäck am Flughafenschalter vor allen Leuten umpacken muss, weil einer meiner beiden Koffer ein paar Gramm zu schwer ist.

Wie reagieren Sie dann?

Ich packe um und schlucke meinen Ärger hinunter.

Weil das Ihrem Wesen entspricht, oder fürchten Sie negative Schlagzeilen?

Beides. Passt mir etwas nicht, sage ich das – aber auf eine sachliche Art und Weise. Also erst, nachdem ich mich etwas beruhigt habe.

Waren Sie ein schwieriger Teenager?

Überhaupt nicht, sagt meine Mutter. Aber meine Eltern waren auch ziemlich cool. Ich hatte keinen Grund, Kämpfe gegen sie auszutragen.

Während Ihrer Lehre zur Coiffeuse mussten Sie über Mittag in der Familien-Metzgerei aushelfen und abends im Haushalt anpacken. Andere Kinder hätten rebelliert.

Das wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Für mich und meine Brüder war es selbstverständlich, zu helfen. Wir haben miterlebt, wie hart die Eltern arbeiteten. Selbst dann, wenn sie krank waren. Sie standen jeweils morgens um fünf auf und gingen nachts um zwölf ins Bett.

So, wie Sie es heute tun. Hat Sie die Haltung Ihrer Eltern geprägt?

Ja. Ihr Fleiss und ihre Leidenschaft fürs Geschäft beeindruckten mich. Ich arbeite gerne viel, solange ich mit ganzem Herzen dabei bin.

Ihre Eltern bestanden auf einer soliden Ausbildung als Coiffeuse. Wie kam es, dass Sie heute Sängerin sind?

Zu Beginn kann man ein Feuer vielleicht noch löschen. Lodert es einmal, reichen auch zwei Feuerwehrautos nicht mehr aus, um die Flammen in Schach zu halten. Ich brenne für meine Musik. Kaum war ich volljährig, fragte ich meine Eltern nicht mehr, ob ich auf der Bühne stehen dürfe. Ich teilte es ihnen nur noch mit.

Freude und Entschlossenheit reichen manchmal nicht aus. Kürzlich wurde Ihre Samstagabendsendung «Die grosse Show der Träume» von der ARD abgesetzt, weil die Quoten in Deutschland zu tief waren.

Das war traurig. Mein Team und ich hatten ein halbes Jahr Arbeit in die Sendung investiert. Als sie aus dem Programm gestrichen wurde, traf mich das. Aber ich werde weiter mutig sein und Neues riskieren.

Was schwebt Ihnen vor?

Ich bin ausgebildete Schauspielerin und würde gerne irgendwann auf diesem Beruf arbeiten. Aber ich habe keine Ahnung, wo ich in fünf oder zehn Jahren stehen werde.

Was könnte Ihnen denn gefallen?

Im Grunde kann ich mir kaum vorstellen, der Bühne den Rücken zu kehren. Aber Menschen verändern sich. Vielleicht werde ich eines Tages Vollzeitmami, oder ich reise mit dem Rucksack um die Welt. Alles ist möglich. Ich bin frei wie ein Vogel.

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